Epidemiologische Studien konnten vielfach die Bedeutung von körperlicher Bewegung in der Prävention verschiedener Erkrankungen belegen. Seit einigen Jahren wird nun auch hämophilen Patienten das Sporttreiben sowie regelmäßige Bewegung empfohlen und sogar als Notwendigkeit in der adjuvanten Behandlung der Hämophilie angesehen. Die Möglichkeiten der Sporttherapie als Mittel der primären bis tertiären Prävention bei der Behandlung hämophiler Personen wurden allerdings bisher wenig eingesetzt. Aufgrund der langen Anfahrtswege zu den jeweiligen Behandlungszentren ist ein klassisches gemeinsames Gruppentraining mehrmals die Woche kaum durchführbar. Deshalb wurde das Modell der „Programmierten Sporttherapie“ entwickelt.

Die „Programmierte Sporttherapie“ verbindet ein von spezialisierten Sporttherapeuten und Ärzten geführtes Training in der Gruppe mit einem selbstständigen betreuten Training zu Hause. Das Gruppentraining wird in Form von gemeinsamen Sportscamps durchgeführt. Das Eigentraining zu Hause wird mit Hilfe moderner Medien durch Sporttherapeuten unterstützt und anhand individueller Trainingspläne gesteuert.

Einen Erklärungsansatz der therapeutischen Inhalte der „Programmierten Sporttherapie“ bildet das integrative Modell der funktionellen Gelenkstabilität nach Lee und Vleeming (2000). Das Modell umfasst die Elemente Bewusstsein, motorische Kontrolle, aktive Stabilität und passive Stabilität. Diese Elemente bieten einerseits einen direkten therapeutischen Zugang zum problematischen Gelenk selbst, anderseits stehen sie in enger Wechselwirkung zueinander. Probleme können bei Personen mit Hämophilie in allen motorischen Grundfähigkeiten auftreten.

Die therapeutischen Inhalte stehen übergeordnet unter dem Ziel, die individuelle Belastbarkeit des Körpers zur Verrichtung alltäglicher Arbeiten zu erhalten bzw. zu verbessern. Dabei liegen die Therapieschwerpunkte inhaltlich in der Schulung der Körperwahrnehmung sowie dem Training des Bewegungsapparates als auch im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems (siehe Abb.1).

 

Abb.1: Therapiekonzept- Bewegungs- und Sporttherapeutische Inhalte

 

Aus unserer Sicht eröffnet die Schulung der Körperwahrnehmung und damit die Optimierung des Körperschemas den wirkungsvollsten Einstieg in die Sporttherapie bei Personen mit Hämophilie. Die verbesserte Wahrnehmung des eigenen Körpers und damit auch das Bewusstwerden von Haltungen und Bewegungen erleichtern das Einüben und Erlernen von motorischen Übungen bei einer die passiven Strukturen entlastenden Körperhaltung.

Nach dem bewussten Zugang zum Gelenk kommen Mobilisationstechniken zur Erhaltung bzw. Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit zum Einsatz.

Über tonusregulierende Maßnahmen sollen am Ende jeder Trainingseinheit bestehende Muskelspannungen gelöst werden. Hierzu eignen sich sanfte Dehnungs- und Entspannungstechniken.

Neben diesen Basis-Übungen kommen muskelaktivierende Maßnahmen zur Schulung der Kraft und Koordination in den Therapiestunden zum Einsatz. Hier bieten sich Techniken der sensomotorischen Stimulation wie zum Beispiel der ‚Kurze Fuß‘ nach JANDA sowie andere koordinative Übungsformen an. Ebenfalls haben sich isometrische Spannungstechniken sowie ein sanftes Krafttraining (z.B. mit Hilfe eines Thera-Bandes®) bewährt.

Zusätzlich sollen über ein regelmäßiges, individuell dosiertes Ausdauertraining das Herz-Kreislauf-System und der Muskelmetabolismus angesprochen und dadurch die Herzfunktion und in der Folge die körperliche Belastbarkeit verbessert werden. Der Stoffwechsel wird angeregt, was unter anderem mit einer besseren Versorgung der Muskulatur sowie der Gelenke und somit auch des Knorpels einhergeht. Daneben sollen überflüssige Pfunde abgebaut werden, welche immer eine Zusatzbelastung für die Gelenke darstellen. Dies soll in Form von Radfahren auf dem Hometrainer, Nordic-Walking, Gangschulungen, Aquajogging, aber auch über höhere Wiederholungszahlen während des Krafttrainings bei gleichzeitig geringer Intensität umgesetzt werden.

 

Die in den letzten Jahren im Rahmen der Programmierten Sporttherapie eingesetzten therapeutischen Methoden und Techniken haben sich als effektiv, sensitiv und individuell adaptierbar erwiesen.

LOADING
http://haemophilia-exercise.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/sitzkreisgk-is-90.jpg
http://haemophilia-exercise.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/kongressegk-is-90.jpg
http://haemophilia-exercise.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/bildergk-is-90.jpg
http://haemophilia-exercise.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/aktuellgk-is-90.jpg
http://haemophilia-exercise.de/modules/mod_image_show_gk4/cache/treffengk-is-90.jpg